Fasnacht 2009

Jahresbericht der Narrengesellschaft KAMELIA Paradies von 1886

Liebe Kamelinchen und Kameler,

I heiß itt nu „Stephan“, sondern Eu au herzlich willkommen - - - - - -

Das Motto vu 2009: „Zurück in die Zukunft“ -  ohne Olympia, EM und WM. Dadurch fällt kaum auf, dass es deutlich weniger Autos gibt, um Fähnchen dran zu befestigen. . . Denn die wirtschaftliche Lage isch finster. . .
Vorteil: Wir haben uns dran gewöhnt. 3,5 oder 800 Milliarden irgendeiner bescheißt immer oder geht pleite.

Deutschland isch insolvent . . .  und was machet d’Kameler ?
Generalversammlung der Moscht - und Rettichanleger . . . Dividendenerhöhung um sage und schreibe 6,66º öxle - Das fasnächtliche Konjunktur Paket 1 wird auf den Weg gebracht . . .

Seit Franz von Assisi und der „Millionen-fehl-kalkulation“ um Konschtanzer Bauprojekte  hat die Welt keine größere Barmherzigkeit mehr gesehen. . . -
Allerdings nur für wahrhaft Bedürftige. . .  Erwartet den gemeinen Häs-Träger beim Gang durch die Instanzen eine Flut von unverständlichen Formularen, Anträgen, Durchschlägen, Abgabefristen, Vorlegen von Taufschein, Impfpass, inklusive die Offenlegung fasnächtlicher Vorlieben und Phantasien, wenn er eingestehen muss: "Bin blank, bin pleite", so genügt hingegen dem modernen Geldinstitut ein kurzes Fax ans Kanzleramt: "Bin Bank. Bin pleite." Und wenn der Häs-Träger auch noch jammert: "Die kriegen Milliarden, ich krieg nix.", dann tönt ihm zuversichtlich entgegen: "Dann musst halt Ackern, Mann . . ."

und die Führung der Kameler wird beackert . . .  Die Agentin der botanisch gesehenen festen bzw. harten Gewebe der Sprossachsen . . . „Holzköpf“ trägt ihren entlarvenden Geheimbericht vor . . .  eine Übernahme der Mehrheitsanteile des Narrenrates kann nicht mehr ausgeschlossen werden . . . zumal sich der FZ, trotz „Textkischtle“ doch wohl eher für die flüssigen „Liquiden“ der Kameler interessiert . . .

E altes Finanzgenie definitiv verabschiedet . . . des neue Finanzgenie legitimiert . . . en verdiente Rat dekoriert . . . und neue Kräfte integriert . .
integriert . . . Integration . . . Parolen welche uns paradiesischen - randschweizer - mit badischem Migrationshintergrund - eine ganze Fasnacht immer wieder begleiten sollen . . .

Ein Finanzminister Steinbrück auf dem Holzweg, die Schweiz der „wilde westen“ . . . „Fonduementalisten“ welche im kleinen Grenzverkehr „lapidar Korrespondenz“ über „monopolhafte Seichtgazetten“ austauschen . . .  Vorbereitungen auf Wahlen, Qualen, Zahlen, Klima, Prima, sieh’ma . . .
- es waren so schöne bunte Ergebnisse möglich . . . „Je ka Mi“ - - -
Jeder kann mitmachen . . .
Und was dabei Lustiges rauskam: Große Koalition, Jamaika-Koalition, Schwampel, sowie Tigerente. Wobei da die Frage offen bleibt: Wer ist das Bürzel an der Waage? Und da geht noch mehr.
Zum Beispiel "Fußgänger-Ampel", Rot-Grün. - Gelb-Rot: "Die Unparteiischen-Koalition". - Schwarz-Grün: "Das plättende Laubfrosch auf Krötenwanderung-Bündnis.". . .  und Konschtanz machte den Anfang . . . ganz im Sinn eines kleinen berühmten widerspenstigen Dorfes . . . mit seinen „3 Blockade Hinkelsteinen“ . . .

während die Welt noch gar it wusste, dass bald in Kopenhagen Klima gemacht wird honnt die üblichen Verdächtigen um de Fritz Schächtle scho de Narrebaum angosse . . . sicherlich nachhaltig . . . aber de CO2 Ausstoß wird durch Glühmoscht au nu gsteigert . . . 

aber - Es geht aufwärts. Die Wirtschaft wächst wie ein Bambus. . .
Null Komma Dings Prozent . . .  Das entspricht genau dem Wachstum eines Fußnagels gemessen in Dezibel pro Kilowatt. Wenn ich das richtig verstanden habe, Wirtschaft ist ja derartig kompliziert . . .

einfach dagege: die Narrespiel im Konzil . . . von Krise keine Rede
Zurück in die Zukunft . . . Hochkultur . . . Ein erfolgreiches Debüt auf der Konzil-Bühne legte mit ihrer ersten Solonummer Stefanie Köberlin hin, die als Professorin der Elite-Uni den soziologischen Blick auf „eines der großen Rätsel unserer Menschheit“ wagte und die Konstanzer Fasnachtskultur rund um „Blätzchenbuben“ und die Eitelkeiten der Fernseh-Fasnacht präsentierte. . .
Die sich sopranös-überschlagende Stimme, in der Tonmischung „Rettichgruben - hall“ und „Moschtfass - echo“  hott HONARRO in die weiten des intergalaktischen Universums hinausgetragen, sodass manch Stern jetzt den Namen HONARRO trägt . . .
Viel Beifall und Gelächter erntete auch Hans Leib mit seiner „Stadtführung 2100“ , der das Lokalgeschehen auf die Schippe nahm. als Pilot in den Diensten der Stadtwerke, erhielt er donnernden Applaus, als er Passagieren auf dem „Konstanz International“ Airport
die nächste Transrapid-Verbindung zum Kultur- und Kongresszentrum „in Singen“ durchsagte. . .

schon ein Stück Geschichte sind die Paradieser Sängerknaben, die seit genau 50 Jahren auf der Konstanzer Narrenbühne stehen . . .  Im Konzil bewiesen sie erneut, dass sie mit ihren klassischen, klug arrangierten Spottliedern die aktuellen Themen noch immer bestens beherrschen.

Marcus Nabholz entführte mit einem alten Karle-Steuer-Lied in die Kargheit der Nachkriegszeit, als ein kleiner Mann von Schwartenmagen mit Senf träumte – feine Nostalgie sprach aus der behutsam vorgetragenen Nummer.

Was dieses kleine widerspenstige Städtchen, mit seiner noch widerspenstigeren Verwaltung alles erleben musste, . . . hatte dann am Schmotzige ein Ende . . . Wir sind Präsident . . . und honnt Geburtstag . .
der Obama des Paradieser Urvolkes ließ sich gebührlich feiern . . . und so manches „dunkle Geheimnis“ wurde gelüftet . . .

Die Fasnacht 2009 hatte zuvor schon ihre ersten Opfer  gefordert . . .
Erstmals ein Schmotzigen Dunschtig Frühschoppen o h n e  Die Paradieser Sängerknaben . . .  Sie lagen heiser darnieder und die Kamelia Paradies musste beim Frühschoppen im Stephanshaus auf ihre singenden Stars verzichten. Das vom Kurt Köberlin zusammengestellte Aufwärmprogramm fiel deshalb dieses Jahr besonders kurz aus, hatte dafür aber einen schwergewichtigen Auftakt.

Die Narrenkollegen Dieter Kessler und Alexander Riedmann gratulierten dem „Barack Obama“ der Kameler, Präsident Marcus Nabholz, fasnächtlich zum Geburtstag. In Ratespielen erkämpfte sich das Leitkamel eine Bierkiste voller harter Tannenzäpfle aus dem Wald, eine Riesentorte und ein Marzipankamel zum Vernaschen.
Nabholz konterte närrisch: Wegen der leckeren Gaben müsse er sich jetzt wieder „systematisch die Figur versauen“.

Der Konstanzer Narr entstammt einer Hochkultur, das wissen die Besucher des Frühschoppens auch dank der souverän gespielten Ausführungen der überkandidelten Eliteprofessorin Stefanie Köberlin.
Pape Kurt Köberlin stand ihr als chaotischer Assistent zur Seite. Für Frau Professorin ist klar: „Konstanzer Fasnacht, das war Hochkultur, bis sie von primitiven schwäbischen Kräften zu Fall gebracht wurde.“. . .

Als Pilot mit genialem Witz hob Hans Leib zum Rundflug über die Stadt Konstanz im Jahr 2200 ab. Das Gerüst am Bahnhofsturm steht auch dann noch. Kenner vermuten allerdings, dass das Gebäude dahinter längst eingestürzt sei, . . . närrische Loopings brachten großem Applaus.

Aber jetzt zu was Normalem. . .  Die Außerirdischen . . .  Ja, wir haben Kontakt. . . Außerirdische sind Lebewesen, die von irdischen Gütern, also Anstand, Moral, Vernunft und klingender Münze keine Ahnung haben und dazu wirres Zeug reden. Ihr merkt, die Rede ist nicht von intelligenten Lebensformen wie Aliens, sondern von den Klingonen aus der Spital Stiftung . . .

Mit vollem Bauch in den Tag, hieß es dann auch wieder am Rosemäntig.. und stellet Eu vor „Kameler dürfet Speck, Rettich und Moschtreschtle“ mitnehme . . . und werdet itt „vermaul - (t)a(r)scht“
Dank sei hier wiederum dem Moscht- und Rettich Broker Team um Hildegard Kerker & Maja Schächtle.

Ihr sehet scho . . . , es ändert sich allerorts das Klima. . .  Überall wird's wärmer, nur mir - dem Chronischt -  weht’s eisig ins Gesicht. . .
Mit Sicherheit it alle erwähnt . . . Die zeitliche Abfolge au it immer korrekt interpretiert  . . . Aber immerhin, andersch als manch Planer und Bauherr it de „Lügenbaron vum Bodan“. Bauherre und Planer, Verantwortliche mit Lizenz zum „buddeln“, aber bitte ohne „Dreckmache“. . . und BILLIG !
Des isch ungfähr e so, wie wenn man em „Tägermooser Ochs in’s Horn pfetzt. . .

Also, wenn Ihr bis jetzt durchgehalte honnt und dabei noch atmet, dann honnt’ers geschafft. Dann honnt’ers das Jahr überstanden - und damit mehr erreicht als so manche Investmentbank.
Der Gemeinderat und unsere Stadtverwaltung lag ja bekanntlich au im Wachkoma. . .
Teilweise werden ganzre Konzepte und Projekte nur noch künstlich am Leben gehalten. . . Gemäs dem neuen Slogan „kommt alle nach Konschtanz . . . do passiert alles 50 Johr später . . . und spätestens zum Weltuntergang honnt au mir e Konzerthaus, en Aufzug am Bahnsteig, H2O - mäßige Werbung für die Stadt am See. . .  irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn . . . Irgendwo zwische Niederburggass und Fischenzstroß. . .

Für 2010 gilt: Hoffnung isch angesagt! D’Kameler sind do ! Mit unserem „Obama“ Nabholz wird alles gut. Wir werden Arabien befrieden und den Iran entwaffnen. Mir saget im Ahmadineschad: „So goht des itt, mit den Atomwaffen.“ Und Ahmadineschad wird sagen: „Ahso! Denn itt! War eh nur Spaß.“ „Obama“ Nabholz wird es richten als Präsident und Superhero. Au Klimaerwärmung isch denn kein Thema mehr. . .
Wenn der Meeresspiegel steigt, dann taucht „Obama“ Nabholz und zieht den Stöpsel raus.

Tja, verbrennt en Schneck gesse und scho wieder dieselbe gute Vorsätz für d’Fastezeit gfasst, Fasnacht 2009  zu Ende,
de Kassier isch hektisch am en passende Teller für die Sammlunge suche, de Gschäftsführer plant scho wieder eine Weltreise, de Programmdirektor weiß vor lauter neuen Ideen für 2010 no gar it wo Ihm de Kopf stoht, de Chronischt sucht erfolglos seine Notiz-Zettel,  - bis zum nächschte Mol, genießet die Zeit des „Manierlichen Übermuts und fasnächtlichen Ungestüms“ - machet was draus, ich kann mich schließlich itten um alles kümmern ! -  Alles wird gut... Bleibt, wie Ihr seid  - etwas anders bleibt Euch  eh it  übrig..

Es goht dagege !

Konstanz den 10. Januar 2010    Der Chronist -  Stephan Grumbt